Anfechtung eines eBay-Kaufvertrages wegen Fehler in den Auktionseinstellungen

Der Beklagte hatte auf der Auktionsplattform eBay insgesamt 9 Telefone zum Sofortkauf für einen Preis von insgesamt 99,- € angeboten. Ihm war bei der Einstellung der Auktion ein Fehler unterlaufen, denn er wollte eigentlich ein Telefon zum Preis von 99,- € verkaufen. Nach Auktionsende ließ er dem Käufer eine Nachricht zukommen, in der er ihn von dem Fehler in den Einstellungen in Kenntnis setzte und den Käufer fragte, ob dieser dennoch Interesse an den Telefonen zu je 99,00 € habe.

Nach der Auffassung des LG Berlin genügt diese Email im rechtlichen Sinne nicht den Anforderungen einer Anfechtungserklärung. Es geht insbesondere nicht daraus hervor, dass der Verkäufer das Geschäft im Ganzen beseitigen möchte. Es handelt sich dabei um eine missverständliche Erklärung, die auch erkennen lassen könnte, dass der Vertrag anerkannt würde mit der Bitte, noch einmal über den Preis zu verhandeln.



Der Verkäufer machte dem Käufer daraufhin das Gegenangebot, die 9 Telefone insgesamt für 500,- € zu verkaufen, was der Käufer ablehnte. Auch aus diesem Gegenangebot lässt sich ein generelles Abrücken vom Vertrag nicht erkennen und es stellt ebenfalls keine wirksame Anfechtungserklärung dar.



Laut dem LG Berlin wird der Beklagte gegenüber dem Kläger in voller Höhe schadensersatzpflichtig. Der Kläger hatte dem Beklagten schon vorgerichtlich die Höhe der Schadensersatzforderung von 1337,49 € mitgeteilt. Dies ist die geringste Summe, die auf dem Markt für dieselben Telefone zu finden ist.

Der Kläger gab dem Beklagten die Gelegenheit, günstigere Angebote zu nennen und damit die Höhe des Schadensersatzes zu mindern. Die Höhe des Schadensersatzes kann demnach auch nicht mehr bestritten werden.

Der Kaufvertrag könne im vorliegenden Fall auch nur dann aufgehoben werden, sofern ein krasses Missverhältnis zwischen Angebot und Preis bestünde. Der eigentliche Preis der Telefone ist nun zwar 10fach höher als der per Auktion erzielte Preis, jedoch ist das Missverhältnis nicht so gravierend, dass sich eine besondere Schutzwürdigkeit des Verkäufers daraus ergäbe, so die Auffassung des LG Berlin.

LG Berlin, Urteil 21.5.2012, 52 S 140/11

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